Staking-Rewards versteuern 2026 — §22 Nr.3 EStG einfach erklärt
Wie du Staking-Belohnungen, Airdrops und Lending-Zinsen korrekt versteuerst. Mit 256€-Freigrenze, Bewertungszeitpunkt und FIFO-Folge.
Wer Solana, Ethereum, Polkadot oder Cosmos stakt, bekommt regelmäßig neue Coins gutgeschrieben. Die Frage „muss ich das versteuern?" beantwortet das deutsche Steuerrecht klar mit ja — aber überraschend großzügig: Mit einer eigenen 256-€-Freigrenze, die für die meisten Hobby-Staker ausreicht, um 0 € Steuer zu zahlen.
Die Kurzversion
- Passive Staking- und Lending-Erträge können §22 Nr.3 EStGunterliegen. Airdrops müssen danach unterschieden werden, ob eine Gegenleistung erbracht wurde; eine pauschale Einordnung wäre falsch.
- Bewertung: Marktwert in EUR zum Zuflusszeitpunkt.
- Freigrenze: 256 €/Jahr — Pro-Kopf, also pro Person, nicht pro Coin.
- Liegt die Summe unter 256 €: 0 € Steuer. Bei 256 € oder mehr ist die Freigrenze nicht erfüllt.
- Späterer Verkauf der gestakten Coins: 1-Jahres-Spekulationsfrist gilt. Das BMF-Schreiben vom 06.03.2025 bestätigt, dass sich die Frist bei der Nutzung zur Einkünfteerzielung nicht auf zehn Jahre verlängert.
- Anschaffungskosten für FIFO-Folge: = Marktwert beim Zufluss.
Warum nicht §23?
§23 EStG („private Veräußerungsgeschäfte") setzt voraus, dass du etwas verkaufst. Beim Staking empfängst du nur — du veräußerst nichts. Daher greift §22 Nr.3 EStG, der „Einkünfte aus Leistungen" besteuert, wenn sie mehr als 256 € pro Jahr ausmachen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil zwei separate Freigrenzengelten:
- 1.000 € Freigrenze für §23 (Verkäufe innerhalb von 1 Jahr)
- 256 € Freigrenze für §22 Nr.3 (Staking/Airdrops/Lending)
Die beiden Freigrenzen gehören zu unterschiedlichen Einkunftsarten und dürfen nicht zu einem gemeinsamen „Krypto-Freibetrag" addiert werden.
Bewertungszeitpunkt: Wann zählt der EUR-Wert?
Das wichtigste praktische Detail: Du musst pro Staking-Reward den Marktwert zum Zeitpunkt des Zuflusses dokumentieren. Wenn du z.B. einmal pro Tag SOL-Rewards bekommst, ist das ein neuer „Posten" pro Tag mit individuellem Wert.
In der Praxis wird das vom Finanzamt typischerweise mit dem Tagesmittelkurs oder einem ähnlichen Referenzkurs (z.B. von CoinGecko, CoinMarketCap) akzeptiert.
Beispiel: SOL-Staking 2025
Annahme: Du staked 100 SOL und bekommst über das Jahr 6 SOL Reward, ungleich verteilt:
| Datum | Reward | SOL-Preis | Wert (EUR) |
|---|---|---|---|
| 31.03.2025 | 1,4 SOL | 165 € | 231 € |
| 30.06.2025 | 1,5 SOL | 180 € | 270 € |
| 30.09.2025 | 1,6 SOL | 140 € | 224 € |
| 31.12.2025 | 1,5 SOL | 175 € | 262,50 € |
| Summe | 6 SOL | — | 987,50 € |
Über der 256-€-Freigrenze → der gesamte Betrag (987,50 €) ist steuerpflichtig. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 % wären das ~296 € Steuer zusätzlich.
Späterer Verkauf der Staking-Coins
Was passiert, wenn du die 6 SOL aus dem Beispiel später verkaufst? Hier kommt FIFO und die 1-Jahres-Spekulationsfrist ins Spiel.
Die Anschaffungskosten der erhaltenen Staking-Coins sind nicht 0 € — sondern der bereits versteuerte Marktwert zum Zuflusszeitpunkt. Damit vermeidest du eine doppelte Besteuerung.
Beispiel: Du verkaufst am 15.04.2026 die 1,4 SOL aus dem 31.03.2025-Reward für 220 € pro SOL.
- Anschaffungskosten: 1,4 × 165 € = 231 €
- Verkaufserlös: 1,4 × 220 € = 308 €
- Gewinn: 308 − 231 = +77 €
- Haltedauer: 31.03.2025 → 15.04.2026 = 380 Tage → steuerfrei
Hätte der Verkauf am 15.03.2026 (= 349 Tage Haltedauer) stattgefunden, wäre der 77-€-Gewinn unter §23 steuerpflichtig (aber unter der 1.000-€-Freigrenze).
Airdrops: Gegenleistung entscheidet
Nur wenn für den Airdrop eine Leistung erbracht wurde, etwa aktive Werbung oder die Bereitstellung personenbezogener Daten über die bloße technische Zuteilung hinaus, kommt eine Einordnung nach §22 Nr.3 EStG in Betracht. Erfolgt die Zuteilung ohne Gegenleistung, liegt nach dem BMF-Schreiben vom 06.03.2025 keine Anschaffung und keine sonstige Einkunft allein durch den Zufluss vor.
Ist die tatsächliche Gegenleistung unklar, kennzeichnet KryptoSteuer-Pro den Vorgang zur Prüfung. Die Software nimmt dann keine steuerliche Klassifikation vor.
Lending & DeFi-Zinsen
Wer Coins via Aave, Compound oder zentralen Anbietern wie Nexo, BlockFi (RIP) verleiht und Zinsen bekommt, hat die gleiche §22-Nr.3-Logik:
- Zinsen werden zum Zuflusszeitpunkt mit Marktwert in EUR bewertet
- 256-€-Freigrenze gilt
- Bei späterer Veräußerung: FIFO + 1-Jahres-Frist auf die geliehenen+zurückerhaltenen Coins
Wie KryptoSteuer-Pro das berechnet
Im Generic-CSV-Format kannst du Staking-Events einfach mit Type staking, airdrop oder lending eintragen. Coinbase-Exports erkennen wir automatisch (Type „Staking Income", „Reward Income", „Coinbase Earn").
Wir bilden pro Steuerjahr die Summe der Marktwerte, vergleichen mit der 256-€-Freigrenze und zeigen dir den Wert für Zeile 11 der Anlage SO. Späterer FIFO-Verkauf der gestakten Coins läuft automatisch über die richtigen Anschaffungskosten.
Steuer-Tipps für Staker
- Im 256-€-Korridor bleiben: Wer nicht weit über der Grenze ist, kann durch Reduzierung der Staking-Position (oder durch Pausieren am Jahresende) unter 256 € rutschen.
- Mehrere Haushaltsmitglieder: Wenn Partner oder Kinder eigene Wallets haben, kann jede Person eigene 256 € nutzen.
- Zuflusszeitpunkt clever wählen: Bei manchen Protokollen kannst du Rewards manuell „claimen". Das verschiebt den Zuflusszeitpunkt — und damit den Bewertungszeitpunkt.
- Dokumentation: Pro Staking-Reward Datum + Menge + EUR-Wert notieren. Bei Etherscan/Solscan-Wallets lässt sich das später nur mit Mühe rekonstruieren.
Fazit
Staking ist in Deutschland zwar steuerpflichtig — aber mit der 256-€-Freigrenze und der 1-Jahres-Spekulationsfrist für den späteren Verkauf eine der freundlichsten Steuersituationen weltweit. Wer sauber dokumentiert, schöpft die Freigrenzen klug aus und hält die gestakten Coins später > 1 Jahr, zahlt oft 0 € Steuer auf sein passives Einkommen aus Staking.
Mit KryptoSteuer-Pro brauchst du dir um die Berechnung keine Sorgen zu machen — wir handhaben §22 + §23 automatisch korrekt verschränkt.
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